Autor Thema: Unverhoffte Angebote  (Gelesen 1073 mal)

SOE

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Unverhoffte Angebote
« am: 28. Februar 2017, 21:47:00 »
Hallo zusammen,

heute ist mir zum ersten mal auf GridGammon etwas passiert, was ich letztes Jahr beim Live-Spiel in New York im Bryants Park kennengelernt hatte und womit ich halbwegs überfordert bin.

In dieser Situation (ich hatte zuvor durch einen unglücklichen 4er-Pasch das Crunchen angefangen) ist der Gegner am Zug und bietet mir vor seinem Wurf ein Resign für 2 Punkte an (also einfach):

Der Spielstand (nach 2 Partie) ist: Sladura59 1, MartinS 1 (Match auf 7 Punkt)

Zug Nr. 24: Sladura59 am Wurf, Doppler-Aktion?

Sladura59137





MartinS50

Position ID: 99sCIAAsZzYDQA Match ID: AQHgABAACAAA

• Sladura59 kann nicht ziehen

Doppler-Entscheidung
2-Ply Gewinnerwartung ohne Doppler -0,440(Money: -0,420)
 0,424 0,077 0,001 - 0,576 0,346 0,001
Gewinnerwartungen mit Doppler:
1.Kein Doppel -0,275 
2.Doppel, Aufgabe +1,000 +1,275
3.Doppel, Annahme -0,771 -0,496
Richtige Doppler-Aktion:Kein Redoppel, Annahme (28,0%)

 

Achtung: Wurf sehr unglücklich ( -0,810)

# Ply Zug Gewinnerwartung
   Kann nicht ziehen 

Ich habe jetzt die Cube Analyse widergegeben, in der Hoffnung, daß ihr mit den abgebildeten Equities genug anfangen könnt, um mir auf die Sprünge zu helfen, wie man solche "Angebote" rechnerisch/überschlägig beurteilt (im Vergleich zu Cube Decisions?).
Mir ist soviel klar, daß durch Annahme seines Angebots meine Gammons gelöscht würden. Bei den vorliegenden Gammon-Zahlen wäre es wahrscheinlich grob falsch gewesen, darauf einzugehen. Aber wo wäre da die Grenze, und wie schätzt man das auf die Schnelle ein?

Außerdem würde mich interessieren, ob jemand aus unserem "Kulturkreis" derartiges "Angebotsspiel" auch kennt, und wo das ggf. praktiziert wird?

Danke schonmal und viele Grüße,

Martin
« Letzte Änderung: 28. Februar 2017, 21:55:08 von SOE »

Maik

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Re: Unverhoffte Angebote
« Antwort #1 am: 28. Februar 2017, 22:47:10 »
Wenn er einfach aufgibt und Du das annimmst, ist seine Equity -1.000. Das heißt, laut gnubg wäre in dieser Situation aus seiner Sicht Doppeln(!) zwar nicht ganz optimal gewesen, aber immer noch besser als Aufgeben.

Am Brett musst Du abschätzen, wie oft Du gewinnst und wie oft Du Gammon gewinnst. Dann rechnest Du die Gewinnwahrscheinlichkeit und die halbe (genaugenommen musst Du den aktuellen Gammonwert ansetzen, aber 0.5 passt oft und insbesondere hier ganz gut) Gammongewinnwahrscheinlichkeit zusammen, mit gnubgs Zahlen also 57.6%+0.5*34.6%=74.9%. Da das kleiner als 100% ist, musst Du gar nicht weiter schauen. Die Annahme seines unverhofften Angebotes ist gut für Dich (vielleicht kommt Dir die Rechnung so weit bekannt vor: Üblicherweise begegnet man ihr, wenn man abschätzt, ob man zu gut zum Doppeln steht). Wenn die Rechnung über 100% ergäbe, wäre es schwieriger. Dann kann das Angebot immer noch gut für Dich sein, weil wir des Gegners Gammons und den Wert seines Cubebesitzes noch gar nicht berücksichtigt haben.

Eine einfache Aufgabe in einer Position mit Kontakt ist in Turnieren meist verboten (s. z.B. EUBGF-Regel 4.5), habe ich aber schon Leute (Europäer) in einer Chouette machen sehen. Im kaukasischen Raum gibt es einige Spieler, die an so etwas auch in Matches großen Spaß haben.