Autor Thema: Gewinnquote in Turnieren  (Gelesen 5068 mal)

sita

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Gewinnquote in Turnieren
« am: 25. Januar 2015, 16:56:30 »
Gestern hab ich auf dem Turnier in Mannheim behauptet, dass die Gewinne eines Turniers vom oberen Drittel der Teilnehmenden eingefahren werden, ohne Berücksichtigung der Registration. Diese Zahl  habe ich schon öfters genannt, aber es war bisher immer nur ein Bauchgefühl von mir. Niemand hat der Zahl gestern widersprochen, aber jetzt wollte ich es doch mal genauer wissen. Also hab ich ein vereinfachtes Turnier simuliert. 64 Teilnehmer, KO-System, die ersten 4 sind im Geld, das wird 50%, 25%, 12,5%, 12,5% auf Sieger, Finalist und die Halbfinalisten aufgeteilt. Conso gibts nicht.

Die 64 Teilnehmer des Turniers habe ich durchnummeriert und zufällig in die erste Runde verteilt. Bei einer Spielernummerdifferenz von n in einer Paarung, habe ich als ELO-Differenz 5*n angenommen. Also, spielt Spieler 10 gegen Spieler 11, so haben sie eine ELO-Differnz von 5. Spielt Spieler 10 gegen Spieler 20, so ist Spieler 10 ganze 50 Punkte besser. Das entspricht nicht ganz einer Verteilung, wie sie typischerweise z.B. auf der DM anzutreffen ist, aber es ist auch nicht völlig daneben.

Das Ergebnis einer Partie ist zufällig, aber mit der entsprechenden Wahrscheinlichkeit, welche die ELO-Differenz ergibt. Wobei ich durchgängig eine Matchlänge von 11 angenommen habe. Ich habe 100.000 Turniere simuliert. Startgeld war 1 EUR, ausgeschüttet wurde wie oben. Danach sah die Erfolgsbilanz der Spieler so aus:


0   177000
1   168184
2   160456
3   148944
4   139480
5   132200
6   122544
7   113208
8   107584
9   97480
10   91960
11   85592
12   74904
13   67328
14   60384
15   54896
16   50368
17   42144
18   35720
19   30528
20   29304
21   21288
22   20624
23   11416
24   5864
25   3312
26   -4608
27   -5640
28   -9888
29   -16448
30   -17032
31   -23152
32   -26288
33   -28664
34   -32760
35   -33392
36   -40256
37   -41872
38   -44032
39   -47920
40   -47400
41   -51920
42   -55200
43   -55576
44   -57928
45   -61192
46   -62584
47   -63560
48   -65640
49   -67816
50   -69192
51   -72520
52   -73920
53   -73864
54   -74632
55   -75552
56   -77408
57   -78032
58   -80064
59   -82360
60   -81952
61   -82928
62   -84712
63   -84808


Daran finde ich zwei Dinge interessant. Erstens, wie deutlich die starken Spieler gewinnen. Spielt der Spieler 0 in diesem Beispiel ein solches Turnier mit 1.000 EUR Einsatz, so gewinnt er im Schnitt 1.770 EUR - bereits nach Abzug seines Einsatzes. Nicht gedacht hätte ich, wie deutlich die mittleren Spieler 31/32 schon verlieren: Eine Turnierteilnahme kostet sie nach dieser Simulation im Schnitt ca. 250 EUR.

Mit meiner Einschätzung, dass das obere Drittel gewinnt lag ich nicht völlig daneben, sie war aber etwas pessimistisch. Selbst Spieler 25 ist noch leicht im Plus. Aber danach gehts rapide runter.

Ich hab die Spreizung mal etwas verkleinert, nun sind benachbarte Spieler nur noch 3 ELO entfernt:


0   101976
1   97712
2   89696
3   86976
4   83880
5   81144
6   76112
7   67600
8   69544
9   64440
10   57432
11   55120
12   51544
13   46512
14   42192
15   40624
16   35064
17   33808
18   30888
19   24880
20   24672
21   23824
22   17304
23   13328
24   12048
25   6312
26   4440
27   1960
28   -168
29   -5464
30   -6112
31   -10008
32   -12464
33   -16616
34   -14080
35   -16968
36   -19392
37   -23088
38   -25352
39   -28160
40   -29176
41   -30672
42   -33512
43   -35504
44   -34376
45   -37664
46   -40728
47   -42248
48   -44048
49   -45352
50   -46928
51   -49032
52   -50520
53   -53536
54   -51816
55   -54672
56   -56152
57   -57792
58   -58584
59   -58712
60   -60960
61   -62176
62   -63360
63   -65640


Die Spitze gewinnt nicht mehr ganz so viel und Spieler 28 ist ungefähr break even. Die mittleren Spieler 31/32 würden aber bei 1.000 EUR Einsatz immer noch gut 100 EUR verlieren.

Rechnet man noch etwas Registration heraus, so rutschen einige wenige weitere Spieler ins Minus. Die oberen 10%-15% machen aber immer noch gute Gewinne. Die Conso glättet die Ergebnisse weiter, bzw. kleinere Turniere mit gleich vielen Auszahlungsplätzen in der Main tun dies auch. Ebenso Freilose. Anyway, ich glaub, ich sollte jetzt traineren gehen...
« Letzte Änderung: 25. Januar 2015, 20:51:21 von sita »
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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #1 am: 25. Januar 2015, 19:52:49 »
Du hast ja echt viel Zeit... Genau, mach was Sinnvolles! Backgammonverbände gründen oder so...

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #2 am: 25. Januar 2015, 20:19:59 »
Du hast ja echt viel Zeit... Genau, mach was Sinnvolles! Backgammonverbände gründen oder so...

Warum reagierst Du so aggressiv? Insgesamt hab ich eine knappe Stunde in das Programm gesteckt, das war nicht viel. Ich finde die Ergebnisse sehr sinnvoll, wenn man entscheiden möchte, zu welchen Turnieren man geht, bzw. in welchen Klassen man dort mitspielt.

Ich habe mich ein bisschen gefragt, ob es gut oder schlecht für das Turnierbackgammon ist, dieses Ergebnis zu veröffentlichen. Ebenso hab ich  mich gefragt, was moralisch geboten wäre. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es moralisch zumindest mal gerechtfertigt ist, das zu veröffentlich, wenn nicht sogar geboten. Seht ihr das anders?
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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #3 am: 25. Januar 2015, 20:32:49 »
Hey, das war nicht aggressiv, war doch nur ne Bestätigung von Deiner eigenen Position... Durchaus sehr interessant, hatte ich mich auch schon gefragt, mit welcher Spielstärke man mit welchen Hofffnungen in die Turniere gehen kann, und ist finde ich auch sehr gut dargestellt. War nur beeindruckt, wie viel Arbeit Du da reinsteckst, hätte da auch mit deutlich mehr als einer Stunde gerechnet.

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #4 am: 25. Januar 2015, 20:50:19 »
Hey, das war nicht aggressiv, war doch nur ne Bestätigung von Deiner eigenen Position...

Ah, Sorry, gut, dass ich zurückgefragt hab. Schriftlich sind Kommunikationen manchmal schwierig... Ich hatte mich irgendwie angepisst gefühlt und mich auch schon sehr gewundert, weil das so gar nicht zu Dir passt. Aber stimmt, man kann das auch ganz anders lesen.  :-UU


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grottenolm

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #5 am: 26. Januar 2015, 10:53:31 »
In meiner aktiven Zeit bei den Berliner Meisterschaften gehörte ich von meiner Spielstärke her ins untere Drittel.
Die Hauptüberlegung war, ist mir die garantierte Anzahl an Matches für den zu erbringenden Einsatz genug. Und ja, damals 25 € (Half Entry) für 5 Spiele Schweizer System haben sich für mich gelohnt. Einfach der Live Erfahrung wegen.
Dagegen würde ich nicht an einem Turnier im (Doppel-)K.O.-System teilnehmen, wo man auch noch 50, 100 oder mehr zahlen muss.
wer nicht lacht, hat schon verloren

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #6 am: 26. Januar 2015, 12:43:21 »
Die Hauptüberlegung war, ist mir die garantierte Anzahl an Matches für den zu erbringenden Einsatz genug.

Richtig, wenn sich die Kosten in der Größenordnung von einem Kinoabend bewegen, dann kann man das natürlich sehr gut einfach wegen des Spielens machen. Im Kino bekommt man das Geld ja auch nicht wieder zurück. Das ist auch die Überlegung, welche hinter meinem günstigen Turnier im Schweizer System steckt. Interessanterweise ist die häufigste Frage, die mir bisher zu dem Turnier gestellt wurde: "Worin liegt denn der Sinn in einem Turnier mit so niedrigem Startgeld?"
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Maik

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #7 am: 26. Januar 2015, 14:17:24 »
Um sitas Ergebnisse etwas motivierender zusammenzufassen: Wenn man seine Spielstärke um 80 Elo-Punkte steigert, verdoppelt man ungefähr seine durchschnittlichen "Einnahmen" (also das, was am Ende im Umschlag drin ist; in sitas Tabelle stehen stattdessen ja die Gewinne drin, also mit abgezogenem Einsatz). 80 Elo-Punkte entsprechen ungefähr 2,5 PR-Punkten. Also, viel Spaß beim Trainieren.

Hängt natürlich wie schon gesagt von der Turnierstruktur und dem Auszahlungsplan ab.
« Letzte Änderung: 26. Januar 2015, 14:27:58 von Maik »

Wolfgang

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #8 am: 26. Januar 2015, 15:52:33 »
Ich finde Deine Turniersimulation hervorragend! Besten Dank dafür! Das Ganze ist sogar so interessant, dass sich neue Fragen auftun  :)

Wie viele Turniersimulationen sind eigentlich notwendig, um zu einem "konsistenten" Ergebnis zu kommen? Darunter verstehe ich, dass wirklich der beste Spieler die meisten Einnahmen einstreicht, die zweitbeste Person die zweithöchsten Einnahmen usw. Denn ich glaube, würde man die Anzahl der Turniersimulationen beispielsweise auf 10 begrenzen, dann müßte nicht unbedingt die elo-stärkste Person vorne liegen; es könnte bei einer so kleinen Turnieranzahl auch die Person Nummer 4 oder gar Nummer 11 sein. Es geht also um die Frage der Transitivität. Nach 100.000 Turnieren ist diese gegeben. Das heißt: Die Korrelation zwischen Elostärke und Höhe der Einnahmen ist r=1.  Die gewonnene Erkenntnis ist, dass sich Trainieren nicht nur "gefühlt" lohnt, sondern dass es sich tatsächlich in messbaren Resultaten niederschlägt.

Die Anschlussfrage könnte daher sein: Wie oft muss ein Spieler des oberen Viertels (zb. auf dem Elorang 15) auf Turniere fahren, damit er/sie auch auf der Einnahmeseite auf Rang 15 (oder ungefähr) dort landet. Im Grunde geht es also darum, dass gut trainierte Personen ohne Turniererfahrung sich fragen, wie viele Turniere sie spielen sollten, um eine erste solide Rückmeldung über ihre tatsächliche Turnierleistung zu erhalten.

PS: Bitte verstehe es nicht falsch, Sita, Du sollst Dich jetzt nicht in Arbeit stürzen.  ;D Mir stellte sich gerade diese Frage.  :()
PPS: Das Ganze ist so spannend, dass es bestimmt auch die Diskutanten und -onkels auf bgonline interessiert; die lechzen manchmal nach solchen Fragestellungen; ist jedenfalls mein Eindruck.
PPS: Danke Maik! Und ja, stimmt. Da sind noch ein paar kleine Dreher enthalten. Die Korrelation wäre also nicht glatt r=1; aber eben schon sehr hoch.
« Letzte Änderung: 26. Januar 2015, 17:18:49 von Wolfgang »

Maik

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #9 am: 26. Januar 2015, 16:23:52 »
Zur ersten Frage von Wolfgang: Das hängt natürlich von der Spreizung der Spielstärken im Feld ab. Bei sitas zweiter Simulation sehen wir nach 100000 Turnieren noch einige Fehler in der Reihenfolge. Bei dem stärker gespreizten Feld gibt es auch drei, wenn ich mich nicht verzählt habe, und zwar im hinteren Bereich der Tabelle. Das kann man auch erwarten, weil da die Preisgelder insgesamt und damit auch deren Differenzen stärker abnehmen als die Streuung. 

Für einen mittleren Spieler schätze ich, dass die Preisgeldstreuung nach 100000 Sita-Turnieren ca. 1000 Einsätze beträgt. Ein normaler Mensch schafft vielleicht eher ein Hundertstel davon, also 1000 Turniere in seinem Leben, da wäre man bei einem Zehntel der Streuung, also 100 Einsätzen, während die Differenzen auch auf ein Hundertstel zurückgehen. Da kann man dann schon einmal um einige Plätze fehlplaziert sein, auch wenn die Spreizung so ist, wie in sitas erstem Beispiel.

Sitas Auszahlungsplan ist natürlich auch hart - 4 Plätze bei 64 Teilnehmern. Wenn die Viertelfinalisten auch etwas bekommen, reduziert sich die Streuung schon erheblich.

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #10 am: 26. Januar 2015, 17:48:21 »
Um sitas Ergebnisse etwas motivierender zusammenzufassen: Wenn man seine Spielstärke um 80 Elo-Punkte steigert, verdoppelt man ungefähr seine durchschnittlichen "Einnahmen"

Das ist ja mal krass. Ich wollte Dir erst widersprechen, weil ich es gar nicht glauben wollte. Aber die empirischen Zahlen geben das tatsächlich so her. Ist das Zufall, oder gibt es einen auch theoretisch einleuchtenden Grund, weshalb die Einnahmen exponentiell in der ELO-Zahl steigen?

Wie viele Turniersimulationen sind eigentlich notwendig, um zu einem "konsistenten" Ergebnis zu kommen?

Ergänzend zu Maik sei noch gesagt, dass es eine solche Zahl von Simulationen nicht gibt. Sinnvoll wäre eher die Frage: "Wie viele Simulationen benötige ich, um mit einer Wahrscheinlichkeit >x ein konsistentes Ergebnis zu bekommen.

Zitat
Wie oft muss ein Spieler des oberen Viertels (zb. auf dem Elorang 15) auf Turniere fahren, damit er/sie auch auf der Einnahmeseite auf Rang 15 (oder ungefähr) dort landet.

Um diese Frage zu beantworten, müsste man die Varianz der Einnahmen eines bestimmten Spielers ermitteln. Das wäre möglich, wenn man nicht nur die Endtabelle hat, wie oben angegeben, sondern auch die Zwischenergebnisse nach jedem Turnier für diesen Spieler. Das ist ein bisschen Programmieraufwand, aber nicht viel Arbeit.

Zitat
PS: Bitte verstehe es nicht falsch, Sita, Du sollst Dich jetzt nicht in Arbeit stürzen.  ;D Mir stellte sich gerade diese Frage.  :()

Ich sag mal so, entweder heute oder morgen könnte ich es schaffen, das Programm so umzustricken, dass ich es als ausführbare jar-Datei zur Verfügng stellen kann. Dann könntest Du selbst damit rumspielen. Als Parameter würde ich von außen reingeben: Anzahl Simulationsläufe, Anzahl der Runden des Turniers, ELO-Delta benachbarter Spieler, Länge der Matche, Auszahlungsstruktur, dann auch optional für mehr als die ersten 4.

Ich werde den Quellcode dazu packen, dann können andere es gerne erweitern und bspw. die Varianz eines Spielers ermitteln.

Zitat
PPS: Das Ganze ist so spannend, dass es bestimmt auch die Diskutanten und -onkels auf bgonline interessiert; die lechzen manchmal nach solchen Fragestellungen; ist jedenfalls mein Eindruck.

Ich hatte einerseits tatsächlich ein paar Gewissensbisse sowas auf noch größerer Plattform zu veröffentlichen. Im Prinzip gräbt es den traditionellen Turnieren das Geschäftsmodell ab. Andererseits tun das die Bots noch viel mehr, und die Leute aus der unteren Hälfte gehen trotzdem auf die teuren Turniere. Wie auch immer, ich glaube ich trau mich nicht mit diesem Ergebnis auf die internationale Ebene. Außerdem hab ich mich gefragt, ob das Thema dort überhaupt neu ist. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich der erste bin, der sowas programmiert hat.
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Martin

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #11 am: 26. Januar 2015, 19:26:21 »
Mich würde die gleiche Simulation mit 6 Runden Schweizer System interessieren. Bitte jetzt keine jar-Datei, dafür bin ich zu doof.

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #12 am: 26. Januar 2015, 19:30:43 »
Mich würde die gleiche Simulation mit 6 Runden Schweizer System interessieren.

Das ist leider deutlich zu viel Arbeit, da bewegen wir uns dann gleich bei einigen Tagen... Das liegt daran, dass man einen Losungsalgorithmus fürs Schweizer-System schreiben müsste und das ist nicht ganz so einfach wie KO. Ich denke auch nicht, dass man den von irgendwo her einbinden könnte. Aber vielleicht findet sich ja ein Interessent sowas zu bauen. Ich hörte davon, dass EBIF auch gerne eine gute Neuimplementation für ihr 3-Lives hätte...
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Maik

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #13 am: 26. Januar 2015, 21:03:02 »
Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich der erste bin, der sowas programmiert hat.

Du bist nicht der erste. Es gibt z.B. auf Gammonvillage einen Artikel von Zare, "Tournaments" (2002), der durch solche Simulationen verschiedene Turnierformate verglichen hat. Schweizer System war natürlich nicht dabei ;)

Ist das Zufall, oder gibt es einen auch theoretisch einleuchtenden Grund, weshalb die Einnahmen exponentiell in der ELO-Zahl steigen?

Ich habe das schon häufiger beobachtet, auch an eigenen Simulationen. Praktisch ist dieser Zusammenhang wohl einigermaßen robust, theoretisch fällt mir im Moment nur folgendes zur Illustration ein:


*NERD ALERT*

Nehmen wir ein möglichst einfaches Turnierformat, simple-KO und der Gewinner kriegt alles. Außerdem sind alle Spieler gleich, außer unserem einen Helden. Der hat einen Ratingvorsprung von a/N mit beliebigem a, wobei N die Anzahl der KO-Runden ist. Nun lassen wir die Anzahl der Runden sehr groß werden und also gleichzeitig den Ratingvorsprung sehr klein. Die Gewinnwahrscheinlichkeit unseres Helden in jedem Match ist dann im Limes 0.5*(1+a/N * b). b ist eine matchlängenabhängige Konstante. Die Auszahlung für unseren Helden lässt sich bei einem Einsatz von 1 angeben als: (1+ a/N*b)^N, und das wird im Limes zu e^(a*b).

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #14 am: 26. Januar 2015, 21:53:16 »
Edit: Nun hab ich es auf Vorschlag eines Mitforisten mal mit .zip versucht. Also einfach runterladen, zip entpacken und dann wie folgt weiter:

So, für Wolfgang und alle anderen, die es interessiert, gibts im Anhang das jar. Einfach irgendwo hin kopieren, Kommandozeile in dem Verzeichnis öffnen und eintippen:


> java -jar tourneySimul.jar
Arguments: [#simulations] [#rounds] [ELO-Delta] [matchlength] [%winner] [%finalist] [%half finalists]...


Und schon gibt es die Argumentliste aus. Füllt man diese, sieht das Ergebnis so aus:


>java -jar tourneySimul.jar 100 5 200 11 40 20 10 5
0            37,60
1            56,80
2             7,20
3            85,60
4            61,60
5            66,40
6            24,80
7            72,80
8            13,60
9            24,80
10           15,20
11            8,80
12           26,40
13          -20,00
14           60,00
15           -8,80
16          -42,40
17           28,00
18          -40,80
19          -26,40
20          -31,20
21          -15,20
22          -18,40
23          -42,40
24          -55,20
25           -8,80
26          -42,40
27          -45,60
28          -45,60
29          -66,40
30          -42,40
31          -37,60


Man kann beliebieg viele Gewinnerebenen angeben. Also alles Geld dem Turniersieger geben, oder noch das Sechzehntelfinale auszahlen. Die Auszahlungen können beliebige rationale Zahlen sein, alle anderen Zahlen müssen Ganzzahlen sein.

Es gibt keinerlei Fehlerprüfung, falls man also Unsinn eingibt, wird irgend eine kryptische Fehlermeldung kommen.

Ihr müsst auch selbst darauf achten, dass die Auszahlungen in der Summe den Einzahlungen entsprechen. Achtung, für Halbfinale, Viertelfinale etc. werden mehr als eine Person ausgezahlt. Deshalb ergeben die Auszahlungen oben (40, 20, 10, 5) auch in der Summe nicht 100. Ihr könnt auch weniger als 100% insgesamt auszahlen, um Registrationsgebühren zu simulieren.

Den völlig chaotisch runtergehackten Programmcode hab ich mit dazu gepackt, vielleicht hilfts ja jemanden.

Edit2: Das ELO-Delta bezieht sich auf die Differenz zwischen dem 1. und dem letzten Spieler, nicht mehr zwei benachbarter Spieler wie am Anfang. In dem Zusammenhang habe ich auch das Ergebnis des Programmlaufs oben ausgetauscht. Das war vielleicht nicht so klug, weil jetzt die Nachfolgende Diskussion keinen Sinn mehr ergibt, da sie sich auf das alte Ergebnis bezog. Die geringere Gesamtspreizung des Turniers bei nur 32 Teilnehmenden war aber auch ein Grund dafür, weshalb sich nach 100 Simulationen die starken Spieler so wenig deutlich durchgesetzt hatten.
« Letzte Änderung: 28. Januar 2015, 09:09:05 von sita »
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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #15 am: 26. Januar 2015, 22:04:20 »
Artikel von Zare, "Tournaments" (2002),

Ah, das hätte man sich denken können, dass der sowas schonmal gemacht hat.

Zitat
Praktisch ist dieser Zusammenhang wohl einigermaßen robust, theoretisch fällt mir im Moment nur folgendes zur Illustration ein:

Es klingt nicht völlig unplausibel, dass man das auf komplexere Startfelder übertragen kann. Ist schon sehr interessant. Und in der Tat ein guter Motivator zum Üben... Danke!
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Maik

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #16 am: 27. Januar 2015, 12:18:06 »
Ich bin auch zu doof... Ich sehe immer nur "Error: Invalid or corrupt jarfile tourneySimul.jar".

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #17 am: 27. Januar 2015, 12:33:54 »
Ich bin auch zu doof... Ich sehe immer nur "Error: Invalid or corrupt jarfile tourneySimul.jar".

Mh, mist, wahrscheinlich hat das Forum das File verändert? War vielleicht doch keine gute Idee, es .txt zu nennen. Ich werds heute Abend auf meinen Server hochladen.
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Wolfgang

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #18 am: 27. Januar 2015, 14:28:53 »
Vielen Dank für die Simulation der 100 Turniere. Das ist schon aufschlussreich.

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #19 am: 27. Januar 2015, 15:11:41 »
Vielen Dank für die Simulation der 100 Turniere. Das ist schon aufschlussreich.

Ja, 100 Turniere, das können locker 5 Jahre sein, eher mehr. Spieler 16 denkt wahrscheinlich, er ist der Oberheld, während Spieler 9 sich nach 4 Jahren ein anderes Hobby gesucht hat...
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Wolfgang

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #20 am: 27. Januar 2015, 17:00:50 »
Kam vielleicht ironisch rüber, war aber nicht so gemeint  :)

Ich finde schon, das auch nach "nur" 100 Turnieren eine Struktur entstanden ist, die den Einfluß der Spielstärke der Teilnehmer auf die Ausschüttung der Preisgelder erkennen läßt. Habe es mal in Excel eingelesen und da ergab sich eine Korrelation von -.88 (negativ deswegen, weil die Polung zwischen Spielstärke und Spielernummer gegenläufig ist). Eigentlich handelt es sich also um eine starke, positive Korrelation, wobei ich auf Excel nicht so viel geben würde; anderes war aber vorhin nicht verfügbar...

Ja, 100 Turniere, das können locker 5 Jahre sein, eher mehr. Spieler 16 denkt wahrscheinlich, er ist der Oberheld, während Spieler 9 sich nach 4 Jahren ein anderes Hobby gesucht hat...

Nummer 10 ist auch ein tragischer Held, während sich Nummer 24 ordentlich durchgeboxt hat  ;)

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #21 am: 27. Januar 2015, 17:09:28 »
Kam vielleicht ironisch rüber, war aber nicht so gemeint  :)

Ne, ich meinte das auch ganz ernst, wenn ichs auch in scherzhaftere Worte gefasst hab. Solche Typen wie 9 und 16 existieren ja! Vielleicht ists nicht ganz so schlimm, weil evtl. die Spreizung noch höher. Außerdem ist grad bei großen Turnieren die Matchlänge größer, insbesondere in den letzten Runden. Aber dennoch, 100 Turniere ist wirklich viel...
The Law, in its majestic equality, forbids the rich, as well as the poor, to sleep under the bridges, to beg in the streets, and to steal bread. -- Anatole France

Martin

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #22 am: 27. Januar 2015, 19:01:13 »
Nummer 10 ist auch ein tragischer Held, während sich Nummer 24 ordentlich durchgeboxt hat  ;)

Früher war Nummer 22 der Held. So ändern sich die Zeiten. ;)

sita

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #23 am: 27. Januar 2015, 19:47:58 »
Ich hab meinen Post oben nochmal editiert und nun ein .zip angehangen. Habs auch ausprobiert, bei mir funktionert es nach runterladen und entpacken immer noch. Bei Euch auch?
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Wolfgang

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Re: Gewinnquote in Turnieren
« Antwort #24 am: 27. Januar 2015, 20:49:20 »
Ja, danke! Bei mir hat es eben prima funktioniert; ich habe schon ein wenig an den Parametern (Argumenten) herumgespielt. Wirklich ein sehr schönes und informatives Tool.  :-&